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Geocaching und Ingress

Geocaching "Spielen Sie da dieses Geocaching?" will der Polizist wissen, der grad mit seinem Kollegen in sein grün-weißes Spielmobil steigt. "Nein, den Nachfolger!" kommt es aus der Gruppe der Frösche. Allgemeines Gelächter.

Wir stehen in Neukölln an einem Cafe Achteck, die Portale sind in etwa die Locations, die drei "K", wie man sie auch vom urbanen Geocaching kennt: Kirchen, Kunstwerke und hier auch mal das Alt-Berliner Klohäuschen. Nur muss man diesmal nichts anfassen, bis auf 30 Meter rangehen reicht schon.

Frösche und Schlümpfe nennen sich die Parteien gegenseitig. Ingress, das neue große Ding von Google, mit dem vom WLAN bis zur Fußgängergeschwindigkeit alles erhoben und der Internet-User mehr an Dienste von Google plus bis zum Google calendar gebracht werden soll. Dafür kostet es nichts, außer dass man sich selbst datentechnisch nackig machen muss: Das App will alles, von GPS-Position über Netzwerkzugang bis zu Zugriff auf soziale Kontakte.

Der Vergleich vom Geocaching und Ingress hinkt aber, das ist wie mit den Äpfeln und Birnen. Apropos Äpfel, man braucht ein Android-Smartphone dafür. Wer noch keins hat, holt sich ein Tablet, wenn es das Budget für Spielsachen zulässt. Eine App für iOS dürfte noch auf sich warten lassen. Wer keinen vernetzten Androiden hat, muss schon deswegen erstmal weiter Plastikdosen im Dreck suchen.

Also hab ich mir vor zwei Wochen so ein Nexus 7 geholt, als mir zum Geburtstag ein Invite-Code für Ingress zugestellt wurde. Geocaching ist eh tot, es wurde Zeit für das persönliche Technologie-Update. Also nicht dass Geocaching keiner mehr spielt, ganz im Gegenteil, und ich würde es im Urlaub auch noch machen, aber da tut sich nichts mehr.

Für die Generation-"i" ist es nur noch öde, Koordinaten einzutippen und sich dosensuchend zum Stadtaffen zu machen. Worin zugegebenermaßen auch eine neue Perspektive für Geocaching liegen dürfte: Vielleicht findet so Geocaching zur freien Wildnis zurück, da wo kein Funkmast steht. Ich würde es mir wünschen.

Den esoterischen Hintergrund von Ingress (z.B. bei Wikipedia nachzulesen) lassen wir mal außen vor, der verwirrt nur. Es ist auch ein Spiel mit GPS, man bekommt interessante Orte zu sehen und darf die auch mehrmals aufsuchen. So oft übrigens, dass ich die ersten Tage amtlichen Muskelkater hatte. Mittlerweile spüre ich die Fitness, die das neue Spiel mir bringt. Es dürfte so der Effekt sein, den Leute beschreiben die sich einen Hund zugelegt haben.

Und nicht nur das, sondern auch neue soziale Kontakte. Wie in den alten Tagen des Geocachings, Der typischen Ingresser ist mal wieder 30-40 Jahre alt, männlich und IT-technisch interessiert, also die unvermeidlichen early Adaptors. Aber anders als beim Geocaching, wo der Nerd plötzlich mit der Anglerweste in den Wald lief, ist man hier in coolen Agenten-Outfit mit Sonnenbrille in der Stadt unterwegs. Und trifft interessante andere Agenten, teilweise alte Bekannte.

Wenn man anfängt, hat man L1 - gelesen "Level eins". Das ist sozusagen der gelbe Gürtel. Damit kann man die anderen Faction nicht so richtig angreifen, die Waffen für L1 sind ziemlich mickrig und die erstellten Portale eher schwach. Aber man kann schon mitmischen, wer hier versteht was zu tun ist kommt schnell weiter.

Vor allem wer Kontakt zu anderen Agenten findet, die ein paar Portal-Keys abgeben, die man benötigt zum verlinken von Portalen und Aufbau von Feldern, kann schnell AP (=Punkte) machen. Felder sind überhaupt das Thema, sie geben am meisten Punkte, und geht es doch um nicht geringeres als die Weltherrschaft! Was aber den Newbie eher wenig kratzt.

Im Laufe von L5 oder L6 ändert sich dann die Strategie. Außerdem stellt man spätestens dann den an sich recht guten Sound des Spiels aus. Vor allem beginnt man mehr Punkte durch Zerstörung zu machen, und natürlich an dem Aufbau von Feldern mitzuarbeiten. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Gegner sich das nicht lange bieten lassen. Sie rücken nicht etwa morgen an, sondern innerhalb der nächsten Minuten.

So ist was eben noch grün war, jetzt schon wieder blau. Der Feind hat alles kaputtgemacht, was man grad schön aufgebaut hat. Hier lernt man auch, dass dies Teil des Spiels ist. Das muss so sein, sonst könnte es ja nicht weitergehen. Solche Zerstörung ist überhaupt kein persönlicher Angriff (wer sich beim Geocaching schon über eine kritische Note ärgert, ist bei Ingress pauschal falsch)

Die gegnerischen Angriffe sind eine Möglichkeit wieder zurückzuschlagen. Allein hat man hier keine Chance, daher am besten mit dem lokalen Clan. Die Intel-Karte zeigt in Echtzeit den Verlauf des Lokalderbies, schnell verabredet, konzertierte Attacke, und danach ein Bier in der nächsten Kneipe. Oder aus dem Rucksack, weil vorsorglich gleich mitgebracht. Wo auch der externe Akku-Pack liegt, denn neben XM (die Lebensenergie im Spiel) ist auch der reale Ladezustand ein limitierender Faktor.

Der schwarze Gürtel ist dann L8, im Spiel dunkelviolett, hier gehts dann nicht mehr weiter. Die Absicht ist, der Gier nach immer mehr AP ein Ende zu setzen, weil es keinen höheren Level zu erreichen gibt. Wesentliche Aufgabe ist dann, den neu rekrutierten Agenten über die ersten Level zu helfen. L8-Agenten suchen sich dann außerdem neue Herausforderungen, liefern sich dann eigene Schlachten, z.B. zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Territorium zu besetzen.

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Kommentare

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Starglider am :

"Cooles Agenten-Outfit" ???
Der typische Ingress-Spieler trägt ganz normale Freizeitklamotten. Er fällt höchstens dadurch auf, das er für die zusätzliche Stromversorgung noch keine unauffällige Unterbringungsmöglichkeit gefunden hat.
Und an der etwas merkwürdigen Art zu gehen die manche Spieler nach einer Weile entwickeln.

Die Intel-Karte ist nicht immer auf dem neuesten Stand. Die Informationen dort können schon mal mehrere Stunden alt sein, woran dann auch ein Refresh oder Neustart des Browsers nichts ändern.

Das sieht man deutlich wenn grüne Felder noch an blauen Portalen hängen oder wenn Resonatoren, deren Zerstörung schon vor Stunden per E-Mail gemeldet wurde, auf der Intel noch intakt und voll geladen erscheinen.

darkstone am :

Ich (L8) spiele Ingress auch schon eine Weile und ich muss sagen, dass ich auch sehr gern zum Geocaching zurück gehe.

Beim Ingressspielen gibt es ein ganz schön hohes Stresslevel. Gerade habe ich ein paar Portale erobert, da kommt auch schon wieder jemand vorbei und reißt sie ein, oder behindert mit beim Weitermachen. Die Arbeit viele Stunden wird in kurzer Zeit zu Nichte gemacht.
Ständig muss man los, wenn Farmen aufgebaut werden, um hohe Items zu bekommen, da sie nicht lange bestehen. Häufig hat man das Gefühl, dass nicht Ich Ingress, sondern Ingress Mich spielt!

Genau diese Erkenntnis finde ich erschreckend und daher finde es schon schön, wenn ich dann mal wieder in die Natur gehen kann und ohne Zeit- oder Konkurenzdruck einfach mal eine Dose suchen kann.

Beide Spiele haben Vor- und Nachteile aber noch fühle ich mich beim Geocachen wohler!

Ist eigentlich schon ein Ingresspodcast geplant? DU könntest ja mal beim Braunschweiger Ingressstammtisch vorbei schauen, der alle 29 Tage stattfindet ;-)

moenk am :

Das ist nicht stressig, das ist das Spiel. Ich muss meinen Kram machen, gegen die Uhr, weil mir die anderen Spieler schon auf den Fersen sind. Ich muss auch nicht immer gewinnen. So ist das Spiel!

Clownfisch am :

Also wenn ich mir das so durchlese erinnert mich das ans PVP in HdRO. Da heißts halt Keeps. Man spielt ein paar Stunden auf Heldenseite bis alles blau ist und dann geht man ins Bett. Am nächsten Morgen ist alles wieder rot. Dort macht das Keep-drehen aber relativ wenig Spaß und die eigentliche Freude kommt auf, wenn ein SZ auf den anderen trifft und es ordentlich Kloppe gibt. Letzteres fällt bei Ingress ja wohl weg.

Bleibt also nur der Frust, wenn alles erarbeitete wieder weg ist?

moenk am :

Was bleibt sind Deine Punkte. Deine Mitarbeit an der Weltherrschaft war dann nur von kurzer Dauer. Alles ist im Fluss und der Weg ist das Ziel, Du hattest Deinen Spaß draußen und nun dürfen die andern mal.

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