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Geocaching und "Netikette" in der Natur

Geocaching Ein Gastbeitrag zum Thema Geocaching und Naturschutz von Klaus-Ulrich Battefeld, Koordinierender Referatsleiter, Artenschutz, Naturschutz bei Planungen Dritter, Landschaftsplanung des Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Der Verfasser wird über Kommentare zu diesem Artikel informiert.

Es ist bald Frühling und es wollen sich viele Geocacher in der freien Natur den Winterstaub aus den Kleider blasen lassen. Das kann gefährlich werden. Einige der Forumsmitglieder auf der Site http://www.geocaching-portal.com/ oder vergleichbaren Seiten sind sich dieser Gefahren offenbar nicht bewusst.

Nachfolgend einige Tipps zur "Nettikette" in Natur und Wald: Viele wilde Tiere wollen sich im Frühjahr den Winterschlaf aus den Augen reiben und gleichzeitig an "Familienbildung" denken. So wie ein Date zwischen Menschen nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist und Stalker und Spanner hierbei nichts verloren haben, sind auch die lieben Tierlein - selbst wenn sie fliegen können - gerne dabei ungestört. Also ein Tipp zum Jahresbeginn: Bitte wenigstens in der Brut- und Aufzuchtzeit von März bis August keine Caches im Umfeld von Brut- und Horststandorten seltener oder gefährdeter Tierarten aufsuchen.

Dies gilt insbesondere für einige exponierte und versteckte Steinbruchwände und Felsen, die für kaum jemanden erreichbar und von Menschen oft unbesucht sind . Hier treffen sich gerne Uhu, Wanderfalke und Co. zum trauten tete a tete und sollten hierbei nicht gestört werden. Immerhin handelt es sich um Tierarten, die vor kurzer Zeit noch vom Aussterben bedroht waren. Sportliche Selbstverwirklichung auf Kosten der Natur und der Umwelt ist schlecht fürs Image und hier fehl am Platze.

Ähnlich ungeschickt kann sich ein Cacher benehmen, wenn er in einem Wald unterwegs ist, in dem im letzten Winter Holz eingeschlagen wurde oder noch eingeschlagen wird - fällt ihm ein hängengebliebener Ast auf den Kopf, dann ist die Freude gering und die Freizeitbeschäftigung für einige Zeit auf Eis gelegt. Teuer kann der Spaß dann auch werden - denn für solche waldtypischen Gefahren haftet niemand.

Auch die in manchen Blogs und Foren diskutierte "Präparation" von Bäumen bis zu deren biologischem Exitus kommt nicht gut an. Entweder sind die Bäume bereits "löchrig" - dann sind "Mieter" drin , die nicht gestört werden sollen (z.B. Fledermaus, Bilch und Co. - auch allesamt schutzbedürftig (siehe oben)- und manchmal übrigens bissig und vielleicht tollwütig (oder die Baumhöhle ist zwar leer aber von Fledermäusen vollgesch...). Oder die Bäume sind noch in gutem Zustand - dann würde sich nicht nur der Eigentümer den Frevler vorknöpfen, sondern auch die Ordnungshüter könnten mit Verweis auf das Feld- und Forstschutzgesetz in Hessen oder ähnliche Regelungen in anderen Ländern zur Kasse bitten.

100% des Waldes und der Bäume in Deutschland "gehören" nämlich jemandem! Handelt es sich bei dem beschädigten Objekt um ein Naturdenkmal oder Kulturdenkmal, dann kommt auch das Strafgesetzbuch ins Spiel: § 304 StGB ist die einschlägige Hausnummer (Gemeinschädliche Sachbeschädigung). Wenn ein Naturschutzgebiet mit dem grünen Dreieckschild oder der Eule auf gelbem Schild gekennzeichnet ist, heißt es übrigens meist auch "Finger weg". Details sind der Schutzregelung zu entnehmen.

Um es kurz zu machen: Auch beim Geocaching in der freien Wildbahn kann es manchmal hilfreich sein, die grauen Zellen einzuschalten und Unsinn zu vermeiden. Es gibt genügend Möglichkeiten, Caches in der Natur an unproblematischen Stellen zu verstecken, ohne andere zu ärgern oder zu schädigen. Der Reiz ist bei einem scheinbar "offensichtlichen Cache" vielleicht sogar noch größer, als wenn man sich am Uhunest vorbei abseilen muss. Ich weiß, dass Zurückhaltung manchen Sportsfreunden schwer fällt, aber Coole haben Blödsinn nicht nötig (und den anderen ist es verboten).

Mitgliedern von Sportvereinen oder der Deutschen Wanderjugend muss man das sicher nicht sagen, da diese im Verein schon einmal das Wort "Rücksicht" gehört haben sich in der Regel in der Natur vernünftig verhalten. Den anderen sei gesagt: Gelegentlich soll es in Wald und Natur auch Ranger, Förster, Polizisten, Feldschütze oder aufmerksam Zivilisten geben, die "petzen"...

Allen verantwortungsbewussten Cachern wünsche ich viel Spaß!

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